Foto einer Biberschwanz-Wolkenformation

Biberschwanz-Wolke

Als Biberschwanz – in der Fachsprache auch „beaver’s tail“ bezeichnet – wird eine flache, langgestreckte, quasi platt gedrückte und von der Struktur her weich geformte Wolkenformation einer zumeist starken Gewitterzelle (siehe Superzelle) bezeichnet. Der Name entspringt der Ähnlichkeit zu einem Biberschwanz des gleichnamigen Tieres. Die Formation bildet sich auf Grund von Kondensation am Grenzbereich zwischen in eine Gewitterzelle einströmender Warmluft und ausströmender Kaltluft aus dem Hauptniederschlagsfeld (FFD), gilt somit als Einströmband (inflow band) und zeigt sich in der Nähe oder an Stelle der Pseudowarmfront auf Höhe des Kondensationsniveaus. Er kann weit entfernt vom Aufwindturm beginnen und zieht sich bis ins Zentrum dessen. Auf der Nordhalbkugel verläuft der Hauptteil des Biberschwanzes in den häufigsten Fällen von Nordwest nach Südost, vom Gewitter weg leicht nach Ost abknickend. Steht man als laienhafter Wetterbeobachter also südlich von einer Gewitterzelle, so erkennt man den Biberschwanz als langgestreckte „Wolkenzunge“, die in das Gewitter mündet. Auf Grund der zum Gewitter hinströmenden Warmluft kann der Eindruck entstehen, dass der Biberschwanz vom Gewitter regelrecht verschluckt wird. Dabei kann er sich am Ende immer wieder neu bilden, solang die Entstehungsbedingungen weiterhin gegeben sind.

Skizzierung der Lage einer „Biberschwanz“-Wolkenformation als Teil einer Superzelle auf einem Radarbild. Die Wolkenzunge selbst kann mit einem Wetterradar nicht detektiert werden.

Deutungsmöglichkeiten bei Veränderungen

Das Vorhandensein eines Biberschwanzes kann Rückschlüsse auf die Stärke und den Zustand eines Gewitters bieten, allerdings ist dies kein sicheres Zeichen. Ein über längere Zeit bestehender, klarer und langgestreckter Biberschwanz kann einen starken und stabilen Aufwind sowie eine gute Balance zwischen Auf- und Abwind im Gewitter – und damit Tornadogefahr – anzeigen. Zudem lässt sich dadurch die Einströmzone recht gut vom Hauptniederschlagsfeld abgrenzen. Die Auflösung eines Biberschwanzes kann ein Anzeichen dafür sein, dass sich der Aufwind abschwächt oder der Abwind im Hauptniederschlagsfeld signifikant stärker wird und somit eine Abschwächung der gesamten Gewitterzelle erfolgt.

Abgrenzung zu anderen Wolkenformationen, Verwechslungsgefahr

Der Biberschwanz sollte nicht mit einer sogenannten Tailcloud verwechselt werden, welche sich grundsätzlich tiefer – also unterhalb des großräumigen Kondensationsniveaus – befindet/bildet und an einer Wallcloud anhaftet.

Foto einer Biberschwanz-Wolkenformation
Foto der Wolkenformation Biberschwanz („beaver’s tail“), beobachtet an einer Superzelle in Mittelsachsen 2012, welche auch einen Funnel produzierte und somit Tornadogefahr beherbergte.

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